Geschlagene zehn Jahre seit der Gründung hat es gedauert bis die Holländer von OBSIDIAN mit ihrem Debütwerk offenbar zufrieden waren. Nach zwei Demos haben die Jungs vergangenes Jahr ihr erstes Album mit dem Namen „Emerging“ herausgebracht, selbiges lief zu dieser Zeit noch ohne Labelstützung und daher in kompletter Eigenregie. Nachdem man mit Rusty Cage Records letztendlich doch einen Labelpartner gefunden hatte, entschloss man sich, den Erstling nochmals international herauszubringen. Inzwischen hatte sich auch das Line Up ein wenig geändert, sodass Altsänger Serge Regoor durch den durch DISAVOWED bekannt gewordenen Fronter Rebbe Kok ersetzt wurde, mit dem „Emerging“ dann auch neu eingespielt wurde. Alles in Allem ist besagte Scheibe ein schwerfälliger Brocken Death Metal, der jedoch gerade durch seine progressive und technische Dominanz überzeugen kann.
Die beiden Gitarristen bei OBSIDIAN sind wirklich prächtig, keine Frage, vertrackt und mit zahlreichen Breaks und Schnörkeln verziert schleudern sie dem Hörer die deftigen Riffs um die Ohren. Hinzu kommt, dass sich auf „Emerging“ viele Instrumentalpassagen befinden, die immer wieder als abwechslungsreicher Übergang fungieren. Ein weiteres auffallendes Merkmal ist Neusänger Rebbe Kok, insofern man seine Arbeit bei DISAVOWED oder ARSEBREED kennt. Mit dieser Band zeigt dieser in jedem Fall, dass seine Stimme nicht nur für stumpfes Gegrunze kompatibel ist, sondern auch für raue Growls, die durchaus auch einen eigenen Stempel verdienen.
Notwendige Ruheparts gibt es auf „Emerging“ leider viel zu selten, wenn dann sind sie in Form gefühlvoller Gitarrensoli verpackt, die den Hörer kurzzeitig in eine ruhige Welt versetzen, bevor er mit dem nächsten Hammerbreak wieder in die mathematische Welt von OBSIDIAN geschleudert wird. Von „Refrain – Strophe“ Songs oder sonstigen Standardstrukturen kann hier mal gar keine Rede sein, die Stücke der Holländer sind stets unberechenbar und wissen auch durch den ein oder anderen Part zu überraschen. Weniger überraschend ist in diesem Zusammenhang dagegen die Schwergängigkeit der mir hier vorliegenden Platte, auf die man sich in der Tat hundertprozentig einlassen muss, will man denn das Geschehen entsprechend mitverfolgen können.
OBSIDIAN sind unheimlich versiert und wahre Meister ihres Fachs, so beherrscht jeder sein Instrument wie ein Blinder den Gehstock. Das Songwriting ist ebenso durchaus ausgeklügelt und jeder Part hat irgendwo seine Daseinsberechtigung. Lediglich um diese Fülle an Informationen aufnehmen und verarbeiten zu können, sollte man mit drei Ohren hinhören. Metaller, die Spaß an Technik und Tiefgang haben, sollten „Emerging“ jedoch unbedingt mal antesten.
7,5/10 Punkten
http://magazin.darkness.de
|