Paul Clark bedankt sich im Booklet zu seiner aktuellen Scheibe bei Satriani, Vai, van Halen, Malmsteen, Schenker und dergleichen, ferner bei Bach, Mozart, Schubert, Beethoven, Wagner und Tschaikowsky. Wer Musik von beiden Personengruppen gehört hat, weiß auch schon, in welche Richtung wir hier gehen.
Mir selbst passt es ganz gut in den Kram, gerade zu einer Zeit eine reine Instrumentalscheibe auf den Tisch zu bekommen, in der ich über die Live-Aufnahmen zu Malmsteens „Concerto Suite“ mit dem New Japan Philharmonic Orchestra staune und beim Vergleich von Leuten wie Friedman, Becker oder Michael Romeo mit Schruppern wie Laiho mich über den Erfolg manch eines Trendgitarreros wundere. Liebhaber klassischer Stromgitarrenmusik dürfen ruhig näher treten, denn Paul Clark ergeht sich bei weitem nicht in Powerchords und Effekthascherei.
Durch eingangs zitierte Dankesliste lässt sich Clarks Album ziemlich gut in der Musiklandschaft verorten, heißt also im melodischen Sektor. Da es sich um ein Instrumentalalbum handelt, bei dem allein die Gitarre im Rampenlicht stehen soll, verwundert es nicht, dass addierte orchestrale Passagen und Keyboardklänge, sowie auch die Drums reichlich farblos und klinisch-keimfrei daherkommen. Bei einer anderen Musikrichtung hätte ich dies durchaus negativ gewertet – hier gereicht es der E-Gitarre zum wohl und geht in Ordnung.
Als ich die Scheibe bei Malerarbeiten zur Hintergrundmusik verdammte, inspirierte sie mich nach zwei, drei Stücken nur noch bedingt. Oberflächlich gehört, entbehren die einzelnen Songs eines eigenen Charakters, lassen den vie beschworenen Wiedererkennungswert vermissen. Richtig interessant wird „Shredz at an Exhibition“ jedoch, wenn man sich Zeit dafür nimmt: Anstelle von Lyrics verwendet Clark seine Gitarre zur Inszenierung verschiedener berühmter Gemälde, d.h., das, was man normalerweise im Bild sieht, macht er musikalisch erfahrbar. Um dem Hörer die Kontaktaufnahme mit dem thematischen Gehalt zu erleichtern oder erst überhaupt zu ermöglichen, beschreibt der Musiker auf seiner Homepage, was es jeweils für Themen sind, die er da verarbeitet. So lesen wir über den ersten Teil von „Requiem“ etwa: „The scene is of a woman mourning the death of a loved one that she holds in her arms, Her mood is sombre and despairing combined with a feeling of helplessness and tremendous loss.“ Derart informiert überrascht die treffliche Transponierung solcher Inhalte in die Musik, die plötzlich viel nachvollziehbarer wird als ohne diese Info. Weitere Informationen zu kompositorischen Einzelheiten werten die einzelnen Stücke zusätzlich auf.
Insgesamt also dürften sich Freunde klassischer E-Gitarrenmusik freuen über ein Album, das um einen Kern aus instrumentalen Heavy zirkuliert. Wer sich auf „Shredz at an Exhibition“ einlässt, sollte auf keinen Fall den Besuch der Webseite des Musikers verpassen, und die Musik zusammen mit dem Hintergrund genießen auf einer Reise zwischen bildlicher und auditiver Kunst.
Ein nettes Album - auch, wenn ich diejenigen verstehn kann, für die es einfach ein weiteres Instrumentalalbum ist.
Bewertung: 68%
http://www.evilized.de
|